Was die Inflationsrate misst

Die Inflationsrate gibt an, um wie viel Prozent die Preise im Vergleich zum Vorjahr gestiegen sind. Gemessen wird an einem Warenkorb — einer repräsentativen Auswahl von Gütern und Dienstleistungen, die ein durchschnittlicher Haushalt kauft: Lebensmittel, Strom, Miete, Kleidung, Transport.

In Italien und Südtirol ist das ISTAT (Nationales Statistikinstitut) für diese Messung zuständig, regional ergänzt durch ASTAT (Landesstatistikamt Südtirol).

Praxisbeispiel: Bei 1,8 % Inflation kostet ein Wocheneinkauf, der im April 2024 noch 100 € betrug, im April 2025 rund 101,80 €. Über 10 Jahre bei konstantem Niveau würde derselbe Warenkorb 19,5 % teurer.

Was die Inflation 2022 explodieren ließ

Im Oktober 2022 erreichte die Inflation in Südtirol mit über 8 % den höchsten Wert seit den 1980er-Jahren. Der Auslöser war mehrschichtig:

  • Energiepreise: Der Angriff Russlands auf die Ukraine und der darauffolgende Stopp russischer Gaslieferungen ließ die Erdgaspreise in Europa vervierfachen. Strom und Heizung wurden zum Haupttreiber.
  • Lieferketten: Die COVID-Nachwirkungen sorgten für Knappheiten bei Vorprodukten — das trieb die Preise in der Industrie und im Lebensmittelhandel.
  • Nachholeffekt: Nach den Lockdowns stieg die Konsumnachfrage sprunghaft an — bei gleichzeitig eingeschränktem Angebot.

Wie die Inflation wieder sank

Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöhte zwischen 2022 und 2024 den Leitzins von 0 auf 4,5 % — der schnellste Zinsanstieg seit Jahrzehnten. Kredite wurden teurer, Konsum und Investitionen bremscher, der Preisdruck ließ nach. Seit 2024 senkt die EZB die Zinsen wieder schrittweise.

Was bedeutet das für mich? Auch wenn 1,8 % harmlos klingt: Seit 2019 sind die Preise in Südtirol kumuliert um mehr als 20 % gestiegen. Wer in dieser Zeit keine Lohnerhöhung erhalten hat, verfügt real über weniger Kaufkraft als zuvor.

Südtirol im Vergleich

Region / Land 2022 (Spitze) 2024 2025 (Apr)
Südtirol (Provinz Bozen) 8,1 % 2,1 % 1,8 %
Italien gesamt 8,7 % 2,3 % 2,0 %
Eurozone 10,6 % 2,4 % 2,2 %
Deutschland 8,8 % 2,2 % 2,1 %

Quellen: ASTAT, ISTAT, Eurostat · Jahreswerte (Dezember).

Was Inflation für Südtirol besonders bedeutet

Südtirol hat eine strukturelle Besonderheit: Im Vergleich zu anderen italienischen Regionen ist der Anteil von Dienstleistungen am Warenkorb überdurchschnittlich hoch — Gastronomie, Tourismus, persönliche Dienstleistungen. Diese sind meist lohnintensiver und reagieren auf Inflation langsamer als Energiepreise, halten sie aber auch länger aufrecht.

Gleichzeitig profitiert Südtirol von seinem höheren Lohnniveau: In Regionen mit niedrigerem Einkommen fressen steigende Preise einen größeren Anteil des Budgets auf.